Denkmalpflege heißt heute in erster Linie, dem Leben einen Zusammenhang abzufordern. Wo dieser nicht klar ersichtlich ist, gilt es einen Zusammenhang zu rekonstruieren. Früher nannte man das eine Biographie haben. Aber uns wurde gesagt, dass nur bedeutende Männer eine Biographie haben, nicht aber Orte. Dass nur die Helden ein Leben haben, das es wert sei, als Zusammenhang rekonstruiert zu werden, nicht aber der Durchschnittsbürger.
Wenn wir aber nicht auch als Hausfrau, einfacher Arbeiter oder Flüchtling darauf bestehen, eine Biographie zu haben, so haben wir auch kein Leben. Aus diesem Grund hat sich eine Gruppe ehemaliger litauischer Lagerkinder zusammengefunden, um einen Platz der Erinnerung zu markieren. Um der Biographie des kleinen Ortes Wehnen bei Oldenburg ein weiteres Dokument für die bewegte Geschichte der Region hinzuzufügen.
Spendenkonto für das Denkmal DP-Lager Wehnen
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Verwendungszweck: „Denkmal Lager Wehnen" – Bitte bei allen Spenden unbedingt angeben!
Einweihung des Denkmals am ehemaligen Lager Wehnen
Mit einer feierlichen Zeremonie wurde das Denkmal in Wehnen offiziell der Öffentlichkeit übergeben. Etwa 200 Personen fanden sich am Nachmittag des 23. Mai ein, um gemeinsam dieses Ereignis zu feiern.
Nach der Begrüßung der Gäste durch Alfred Bartminn stellte Audra Brinkhus-Saltys das ehemalige Lager vor. Sie begann ihre Rede mit dem Läuten der alten Kirchenglocke des Lagers. Nur 80 m von hier entfernt war die Kirche in einem Raum der 10. Baracke eingerichtet.
Der litauische Botschafter in Deutschland, Herr Deividas Matulionis, nahm den Akt der Enthüllung vor. In seiner Rede sprach er den geschichtlichen Hintergrund der nach Deutschland geflüchteten Litauer an. Abgeschlossen wurde der Akt mit dem Singen der litauischen Nationalhymne.
Beim anschließenden Wortgottesdienst hob Prälat Peter Kossen die Bedeutung des Kreuzes als Symbol für christliche Werte hervor. Die zwei beteiligten Pfarrer Jelis und Vaitiekunas sprachen die Gebete auf Litauisch.
Nach den Reden des Honorarkonsuls Prof. Dr. Jürgen Gramke und dem Bürgermeister von Bad Zwischenahn Herrn Dr. Arno Schilling ging es zum gemütlichen Teil. Begleitet von der Sängerin Danaja genoss man Kaffee und Kuchen, der von der Nachbarschaft gespendet wurde. Alle, ob Litauer oder Deutscher, verbrachten zusammen einen wunderschönen Nachmittag.
Das Erinnerungsmal steht
Der litauische Künstler Darius Vilius brachte persönlich das von ihm geschmiedete Kreuz nach Wehnen. Er wollte den Aufbau selbst in die Hand nehmen. Mehrere Freunde des Denkmals haben ihm geholfen, es in Wehnen aufzubauen. Durch deren tatkräftige Unterstützung ging der Aufbau flott vonstatten und sie waren in einigen Stunden fertig.
Das Erinnerungsmal steht am Rande des ehemaligen Lager Wehnen. Die Gegend hat sich seit Aufgabe des Lagers im Jahr 1959 sehr verändert. Dieses Denkmal soll an eine Zeit im Nachkriegsdeutschland erinnern, wo an dieser Stelle Tausende von Litauern wohnten. Die Erinnerung hat nun einen Platz gefunden.